Bericht vom Umweltkampftag in Essen
An einem Tag, wo es um die Umwelt geht? Eine Rednerin begründete, warum es dafür gute Gründe gibt: Der völkermörderische Krieg der israelischen Armee in Gaza hat der Bevölkerung nicht nur eine gigantische Wüste aus Betonruinen hinterlassen, sondern besonders auch durch die in den eingesetzten Waffen enthaltenen gefährlichen Stoffe eine beispiellose Verseuchung von Böden und Gewässern, und setzt so die Menschen dort auf Dauer einer chronischen Vergiftung aus.
Der Beginn der Veranstaltung war auf 12:05 Uhr gelegt worden: ein Fingerzeig darauf, dass es ‒ darin waren sich alle Rednerinnen und Redner einig ‒ für die komplette Abwendung einer globalen Umweltkatastrophe in der Tat bereits fünf nach zwölf ist: Sie hat schon vor einigen Jahren eingesetzt, durch sich selbst entfaltende Prozesse, die nicht mehr aufzuhalten, sondern nur noch abzubremsen sind. Bodo Urbat, Sprecher von ‚Essen steht AUF‘, prangerte die bürgerlichen Klimawissenschaftler an, die den Ernst der Situation mit ihren Analysen unwiderlegbar deutlich machen, aber mit ihrem positivistischen Tunnelblick (und wohl auch einem gehörigen Schuss Opportunismus) das Ganze nach wie vor als „Klimawandel“ verniedlichen. Er verwies auf das Buch zu dem Thema, das die MLPD auf ihrem kleinen Bücherstand in mehreren Sprachen[1] anbot; es weise glasklar nach: Die Umweltkatastrophe hat begonnen! (So auch der Titel des Buches.)
Hannes Stockert forderte vor dem Hintergrund der Internationalen Klimakonferenz in Brasilien Teilnehmer und Passanten auf, am Mikrophon zu sagen, was ihnen nach 29 vergeblichen Treffen und angesichts der nunmehr 30., sicher genauso erfolglosen Konferenz durch den Kopf gehe. Vor allem machten viele Sprecher als Ursache für die begonnene Umweltkatastrophe wie für die Erfolglosigkeit dieser Konferenzen (Motto: „29 Mal is nix passiert…“) das Diktat der weltweit operierenden Monopole aus, die die Maximierung ihres Profits über die Zukunft der Menschheit und unseren natürlichen Lebensgrundlagen stellten. Gerade auch in Deutschland versuche man im Zuge massiver Kriegsvorbereitungen und des Vordringens des Faschismus weltweit das Rad mit aller Macht zurückzudrehen und die umweltschädlichsten Technologien ‒ Atom, Öl, Gas ‒ wiederzubeleben. Das werde den Menschen als „Rückkehr zu bezahlbarer Energie“ verkauft: Es sei einfach „wirtschaftlicher“. Aber, das wurde in den Beiträgen deutlich, diese drei Energiearten sind insgesamt die denkbar teuersten. „Wirtschaftlich“ wird es für die Konzerne nur, weil sie die Produktions‑, Demontage‑ und Deponierungskosten sowie die Folgeschäden zum Teil oder auch komplett auf die Gesellschaft, auf uns Bürger, abwälzen. Und das können sie, weil sie hier die Macht haben. Gabi Fechtner, die Vorsitzende der MLPD, setzte sich damit auseinander, warum die Teilnahme am Umweltkampftag derzeit so gering ausfällt und der Dringlichkeit des Problems in keiner Weise entspricht: Derzeit treibt viele Leute verständlicherweise die wachsende Kriegsgefahr und die Bedrohung durch den Faschismus stärker um.
Ein Umweltkampftag im Ruhrgebiet, auf dem nicht die von Profitgier getriebene skrupellose Politik der RAG-Stiftung (ehemals Ruhrkohle AG) entlarvt und angeprangert wird ‒ undenkbar. So wurde denn auch vor allem angegriffen, dass die RAG das Abpumpen des Grubenwassers immer weiter reduziert. Die Folge: Das selbst schon verseuchte Grubenwasser gelangt früher oder später in höhere Schichten, in denen die RAG insgesamt 1,6 Mio. t giftigen Sondermüll deponiert hat, und anschließend in die Grundwasser (sprich: Trinkwasser) führenden Schichten darüber.
Etliche Rednerinnen und Redner machten zwei Aspekte sehr deutlich: 1. Der weitere Marsch in die Umweltkatastrophe ist nur aufzuhalten, wenn der Kapitalismus abgeschafft und durch ein Gesellschaftssystem ersetzt wird, in dem das Profitprinzip keine Rolle mehr spielt, sondern wirklich das Wohlergehen der gesamten Menschheit im Mittelpunkt steht ‒ den echten Sozialismus. Auf den warten in Sachen Umweltschutz gigantische Aufgaben. Und 2.: Man wird auch im Umweltkampf nur vorankommen, wenn man sich organisiert. Nur von einer organisierten kämpferischen weltweiten Umweltbewegung, in der die Arbeiterbewegung eine entscheidende Rolle spielt, sind Veränderungen zum Besseren zu erwarten.
Die von vielen engagierten Redebeiträgen geprägte Veranstaltung hatte ‒ neben dem lästigen Nieselregen ‒ nur ein kleines Manko: Es fehlten noch kulturelle Beiträge: Lieder, Gedichte usw.
[1]Das Buch ist bislang ins Englische, Farsi, Französische, Spanische und Türkische übersetzt worden.
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