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Empörung in Essen-Kray- Kaffee trinken mit Faschisten?

Freitag, 12. Dezember, Tag des monatlichen Widerstands gegen die Treffen der faschistischen „Heimat“-Partei und ihrer jugendlichen Schlägerbanden in Essen-Kray. Hatte in der Vergangenheit unter anderem „Essen stellt sich quer“ den Protest in der Marienstraße organisiert, wo sich die Landeszentrale der Faschisten befindet, hat dieses Mal das wieder ins Leben gerufene Bündnis „Kray ist bunt“ zu einer „Kundgebung mit nachbarschaftlichen Austausch“ eingeladen. Dieses Bündnis wurde vor Jahren auf Initiative der evangelischen Kirchengemeinde gegründet. Mit einem bunt beleuchteten Pavillon, Tee und Keksen sollte die Demokratie und das Engagement im Stadtteil gestärkt werden – ohne Politik, Parolen und Parteien; ohne das Problem der Faschistenzentrale direkt zu benennen und anzugreifen. Dieses Konzept ist völlig gescheitert!


So staunten AntifaschistInnen nicht schlecht, als sich die Neonazis wie selbstverständlich unter die Teilnehmer mischten und muntere Diskussionen führten. Die Polizei sagte den Anmeldern, dass dagegen nichts zu machen sei, solange sie friedlich sind, schließlich habe man alle Nachbarn eingeladen. Statt einen energischen Protest zu führen und die Faschisten auszuschließen, wurde ihnen so objektiv über zwei Stunden eine Plattform gegeben, ihre kruden Ansichten zu verbreiten. Das diese bei den Anwesenden auf wenig fruchtbaren Boden fallen dürften, ist unerheblich. Ihr Konzept der Normalisierung faschistischer Standpunkte ging an diesem Abend damit auf. Darauf angesprochen, gab es unterschiedliche Reaktionen von den Veranstaltern. Viele fühlten sich nicht wohl damit, aber man „hätte halt keinen Handhabe“. Andere verteidigten offensiv „wenn man sich der Debatte verweigert oder sie aggressiv rausdrängt, gibt man ihnen nur Munition.“ Doch Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen! 
Natürlich muss man um jeden kämpfen, der von der rechten Hetze beeinflusst ist. Aber das waren keine kleinen Jungen, die sich ideologisch verrannt haben. Das waren Nazi-Kader wie Claus Cremer, Heimat-Landesvorsitzender und verurteilt wegen Volksverhetzung. Oder Raik Helm, Social-Media-Gesicht der Nazi-Szene im Ruhrgebiet. Selbst ein Nazi-T-Shirt der Heimatjugend wurde geduldet. Anwohnerinnen und Anwohner, die direkt von der Hetze und den Bedrohungen der Faschisten betroffen sind, äußerten völlig berechtigt ihre Kritik an dieser Verharmlosung der faschistischen Gefahr. Unabhängig von der juristischen Seite hätte am Mikrofon klar Position bezogen und diese Leute des Feldes verwiesen werden müssen. Solch eine Bagatellisierung faschistischer Umtriebe darf sich nicht wiederholen! 
Wenn die Propaganda, das Problem seien nicht die Treffen der Faschisten sondern die Linken, die immer so laut seien, unter einem Teil der Anwohner verfängt, dann muss die Aufklärung über die faschistische Gefahr verstärkt werden. Wenn das Haus brennt, darf es nicht ruhig bleiben, dann ist höchste Alarmstufe! In diesem Sinne vereinbarte auch die anschließende Kundgebung der Antirassistischen Anwohnerinitiative und des Internationalistischen Bündnis, die Anstrengungen zu verstärken für einen starken Protest im Januar und darüber hinaus. Die antifaschistische Bewegung in Essen muss Konsequenzen ziehen aus diesem Vorgang und wieder zu einem gleichberechtigten Miteinander aller beteiligten Kräfte finden. Welche Kraft daraus entsteht, sah man beim Protest gegen die Gründung der AfD-Jugend in Gießen. 

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