Ilmenau: Polizei schützt AfDler vor Protest von Jugendlichen

Ilmenau / Mülheim an der Ruhr 04.06.2019 Korrespondenz

Bei der Europawahl hat die AfD in Ilmenau 21,7% Stimmanteil erhalten und liegt damit noch vor der CDU. Da gibt es noch viel Aufklärungsbedarf, und so begeben wir uns zu zweit bei unserem Wochenendbesuch am 1.6. in die Innenstadt, wo die AfD einen Infostand angekündigt hat, „um sich bei ihren Wählern zu bedanken“.  Den Dank wollten allerdings nur sehr wenige Ilmenauer Bürger persönlich entgegennehmen. Dafür interessieren sich umso mehr für die Broschüre gegen die AfD und die Einladung zum Pfingstjugendtreffen. Nur sehr wenige lehnen ab, die meisten bedanken sich ausdrücklich. Auch einige neue Kontakte konnten wir knüpfen.

Nach einer Weile kommt eine Gruppe antifaschistischer Jugendlicher auf den Platz. Sie sind voll aufgebracht gegen Nazis und Rassisten, skandieren lautstark Parolen wie „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda!“ und „Say it loud, say it clear, refugees are welcome here!“. Wir freuen uns über den Jugendprotest und solidarisieren uns sofort. Die AfDler fühlen sich gestört und rufen die Polizei. Zwei Mannschaftswagen rücken an. Es kommt zu einer Eskalation. 

Beamte gehen sehr rüde gegen die Jugendlichen vor und nehmen ein junges Mädchen fest, das sie als „Rädelsführerin“ ausmachen. Sie hatte mit einem großen Tuch den Stand zeitweilig verdeckt, ohne jedwede Gewalt! Wir „Alten“ schalten uns ein und protestieren gegen die überzogene polizeiliche Maßnahme – und werden auch hart angegangen. Wir wurden angebrüllt, dass wir uns entfernen sollen, eine von uns wurde am Arm gepackt, gegen die Brust gedrückt... Wir lassen uns aber nicht provozieren, bestehen auf unserem Recht, auf einem öffentlichen Platz gegen die AfD zu protestieren.

Nach einer halben Stunde kommt das junge Mädchen wieder frei. Wir verabreden uns mit den Jugendlichen und verbringen den Nachmittag beim lebhaften Gedankenaustausch, der beim Pfingstjugendtreffen fortgesetzt wird – fünf von ihnen wollen kommen! Wir haben uns vorgenommen, den Vorfall mit ihnen noch weiter zu verarbeiten.

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