Internationaler Frauentag in Essen: Zornig, bunt und kämpferisch

… so präsentierte sich vor dem Essener Hauptbahnhof ein breites Bündnis aus über 10 Organisationen, Frauenverbänden und Unterstützern. Traditionell werden die Aktivitäten zum 8. März in Essen vom Frauenverband Courage initiiert. Zu Beginn wurden die ca. 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in acht Sprachen willkommen geheißen.

Zornig prangerten die kurdischen Frauen von Berivan Shengal an, dass in Deutschland ausgerechnet diejenigen Organisationen totgeschwiegen und sogar kriminalisiert würden, die durch den bewaffneten Kampf ihrer Frauen und Männer dem IS in Syrien und im Irak entscheidende Schläge versetzen. Zornig prangerten muslimische Frauen in einem selbst verfassten Rap an, wie sie im heiratsfähigen Alter von ihrer eigenen Familie als Heiratsobjekt und Tauschgegenstand gegen Schmuck, Vieh und anderes wie eine Ware an den Meistbietenden verhökert und so daran gehindert werden, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Angeklagt wurden die nach wie vor ungleiche Bezahlung, die Abdrängung auf schlecht bezahlte Jobs, die Unterdrückung der Frauen subtil durch Sexismus und offen durch Gewalt, Zwangsprostitution usw. Eine Kollegin der IGBCE machte deutlich, dass ein massives Mobbing gegen kämpferische Frauen im Betrieb stattfindet, gegen das sie sich zur Wehr setzen.

Der Frauenverband Courage hob hervor, dass die Frauen sich nur Gehör verschaffen können und stark sind, wenn sie sich organisierten. Der Aufbau von Courage als überparteilicher Frauenverband ist eine Erfolgsgeschichte. So sind in der Essener Gruppe über 70 Frauen aus 12 Nationalitäten.

Martina Stalleicken, frauenpolitische Sprecherin der MLPD, griff die Regierung an, die aktuell so tut, als sei die Sache der Frauen bei ihnen in besten Händen. Sie hob hervor, dass die Ungleichheit zwischen Mann und Frau dem Kapitalismus anhaftet bis zu seinem Ende und es deshalb besonders darauf ankommt, dass sich Frauen für den revolutionären Kampf zur Überwindung des Kapitalismus entscheiden und dazu auch in der MLPD organisieren. Eine Jugendliche vom Jugendverband REBELL rief u.a. zum Kampf gegen Dauer-Praktika und Stellenabbau auf, welcher der Jugend die Zukunft verbaut. Kinder der „Rotfüchse“ verkauften rote Rosen.

Die Umweltgewerkschaft und die Bergarbeiterfrauen-AG im Frauenverband Courage riefen u.a. zur Teilnahme am Kampf gegen die von der Ruhrkohle AG geplante Flutung der stillgelegten Zechen auf, die über kurz oder lang zur Verseuchung des Trinkwassers im gesamten Ruhrgebiet führen werde. Die Vertreterin der PIA („Internationale Arbeiterinnen“) und andere erinnerten an den revolutionären Ursprung des Frauentages, der von der kämpferischen Sozialistin Clara Zetkin ins Leben gerufen wurde.

Die bunte Vielfalt der Versammlung schlug sich auch in Beiträgen am offenen Mikrophon nieder. So sprachen selbstbewusste junge Frauen gegen Sexismus und Gewalt, zur Situation als alleinerziehende Mutter, u.a. mit einem Poetry Slam.

Immer wieder blieben Passanten stehen, um den Beiträgen zu lauschen, zahlreiche junge Leute schlossen sich an und Interessenten trugen sich an den Infotischen der beteiligten Organisationen ein. Der Standpunkt der Marxisten-Leninisten zu den gesellschaftlichen Hintergründen und Perspektiven stieß auf großes Interesse. So wurden zahlreiche RoteFahne-Magazine verkauft. Abgerundet wurde das Ganze durch ein gut bestücktes Buffet mit reichlich gespendetem Kaffee und Kuchen. Nach einem kurzen kämpferischen Zug durch die Innenstadt tanzten die Frauen gemeinsam Abschluss ausgelassen Halay (ein Volkstanz aus dem Nahen Osten).

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