„Was will die MLPD konkret für Schulen und Schüler machen, welche Ziele und Vorstellungen hat sie dazu?“
Nach meinem Eindruck ist euer Leibniz-Gymnasium eine recht gut ausgestattete Schule und hat eine
sehr engagierte Lehrerschaft; bei euch gibt es z.B. eine entwickelte Musikabteilung (mit extra Blä-
serklasse!), ihr habt ein Orchester, das jährlich diverse Konzerte bestreitet, usw. usw. Aber auch ihr
Leibnizianer solltet „über den Tellerrand hinausschauen“, d.h. das Problem gesamtgesellschaftlich
betrachten.
Und da sieht es denn doch häufig ganz anders aus als bei euch: Viele Schulen in NRW befinden sich
in einem erbärmlichen Zustand.1 Die MLPD fordert deshalb als dringende Sofortmaßnahme die Sa-
nierung aller Schulen, soweit erforderlich, der Klassen- und Fachräume, der Schultoiletten und
Sporthallen. Außerdem die unverzügliche Schließung des Defizits an Lehrkräften.
In ihrem Programm von 2016 fordert die MLPD eine kostenlose qualifizierte
Ganztagsbetreuung in Kindertageseinrichtungen und Schulen (S.123).
Sie tritt für ein kostenloses, einheitliches und qualifiziertes Bildungssystem von
der Krippe bis zur Hochschule, für eine gründliche Schul- und Berufsausbil-
dung und für vollständige Lehr- und Lernmittelfreiheit ein (S.134).
Schon der erste Arbeiterstaat der Geschichte, die Pariser Commune von 1871, hat
das gleich nach seiner Gründung zum Gesetz erhoben: „Sämtliche Schulen und Bildungseinrichtun-
gen wurden der Bevölkerung kostenlos zugänglich gemacht. Das Gleiche galt für Museen und Theater.“2
Wir sind dagegen, dass die Jugendlichen nach unterschiedlichen Schultypen separiert werden. Viel-
mehr müssen sogenannte Lernschwächere, Kinder mit sprachlichen Problemen usw. besondere För-
derung bekommen.
Die Forderung nach „gründlicher Schul- und Berufsausbildung“ klingt selbstverständlicher, als sie
ist. Für Kapitalisten ist Ausbildung ein „Kostenfaktor“, und der nagt natürlich an ihren Profiten. Ei-
nen wirklichen polytechnischen Unterricht, wie ihn schon Karl Marx für die Jugend forderte, wo
Schüler Unterricht in Betrieben bekommen, kann es deshalb im Kapitalismus nicht geben; die Sphä-
ren von Unterricht und Produktion sind da immer ziemlich streng getrennt. Oft genug werden bei
uns die Schüler in Praktika und die Jugendlichen in der Berufsausbildung als billige Arbeitskräfte
missbraucht. Und vor allem die großen Konzerne haben ihre Ausbildungsstellen massiv abgebaut, so
dass in den letzten 15 Jahren die sogenannte betriebliche Ausbildungsquote um fast ein Drittel abge-
nommen hat.3 MLPD und ihr Jugendverband Rebell fordern deshalb seit Langem eine Ausbildungs-
quote von 10 % in allen Großbetrieben und im öffentlichen Dienst. Besonders in den Großbe-
trieben, weil die Jugendlichen vor allem dort die modernste Technik beherrschen lernen.
Unserer Ansicht nach wird generell viel zu wenig für körperlich und musische Betätigung der Ju-
gend getan: Da sind haufenweise ‒ auch in Essen ‒ Schwimmbäder oder selbst verwaltete Jugend-
häuser geschlossen worden. Dass z.B. das Kuhlhoffbad ‒ das euch möglicherweise gar nichts mehr
sagt ‒ seinerzeit dichtgemacht wurde, eines der schönsten Schwimmbäder Essens, war ein Schlag
ins Gesicht der Menschen im Norden der Stadt. Allgemein hat die MLPD in ihrem Programm dazu
diese Forderungen:
• Förderung des Breitensports. Qualifizierte Aufklärung und Erziehung für eine gesunde Er-
nährung. Ausbau kostenloser Kultur-, Sport- und Freizeiteinrichtungen für Kinder und Ju-
gendliche. (S.135)
Es ist unserer Ansicht nach unverantwortlich, dass das Verbot des Cannabis-Konsums gelockert wur-
de. Die schädlichen Auswirkungen bei Heranwachsenden sind klar nachgewiesen. Für den Kampf
für Verbesserungen ihrer Lage und um eine bessere Zukunft braucht die Jugend aber einen klaren
Kopf! In diesem Sinne fordert die MLPD umfassende Aufklärung und Kampf dem Drogensumpf
(S.135). Außerdem besonderen Schutz von Kindern und Jugendlichen gegen Gewalt und sexuel-
len Missbrauch (S.134).
Viele dieser Forderungen könnt ihr nur so weit durchsetzen, wie ihr dafür selbst aktiv werdet, euch
zusammenschließt und organisiert (am besten gleich im Jugendverband Rebell) und ‒ ganz wichtig ‒
gemeinsam mit den Erwachsenen, die die gleichen Forderungen haben wie ihr. Dass die Regierung
oder vor Ort der Stadtrat die Forderungen von sich aus erfüllen, könnt ihr nicht erwarten; ihr müsst
eure Belange in die eigene Hand nehmen und gemeinsam darum kämpfen.
Wir haben es heute weltweit mit einer zunehmenden Weltkriegsgefahr zu tun, die in immer mehr
Staaten mit Faschisierung und Militarisierung einhergeht; und das gilt auch für Deutschland (Re-
pression gegen fortschrittliche Kräfte, Tolerierung oder gar Förderung der AfD, Pläne zur Wieder-
einführung der Wehrpflicht u.a.). Auf dem Hintergrund haben folgende Losungen aus dem Pro-
gramm der Partei heute besondere Aktualität und besonderes Gewicht:
Umfassende antifaschistische Aufklärung an Schulen und in Massenmedien!
Kampf der Militarisierung von öffentlichem Leben, Erziehungswesen und Kultur! (S.134f.)
Auf dem Hintergrund beteiligen wir uns aktiv am Kampf gegen Bundeswehrpropaganda an Schulen,
bei Festivals usw. Wie sieht das hier an Eurer Schule aus?
Und auf dem Hintergrund haben wir auch Kritik an eurer Schulleitung. Sie ist gelegentlich dagegen
vorgegangen, wenn wir euch über antifaschistische Veranstaltungen wie z.B. das Rebellische Musik-
festival, eine Podiumsdiskussion über den Völkermord der israelischen Armee im Gazastreifen und
anderes informieren wollten, obwohl sie damit gegen geltendes Recht verstößt, und hat in einem Fall
sogar die Polizei gerufen. Wir sind der Meinung, ihr Jugendlichen habt das Recht, euren eigenen
Kopf zu gebrauchen (das sollte man ja sowieso immer tun). Das wird eingeschränkt, wenn die
Schulleitung vorab entscheidet, mit was ihr euch be-
fassen dürft und mit was nicht.
Soweit mal. Ihr könnt euch für Nachfragen gern an
mich / uns wenden. Viel Erfolg mit eurer Arbeit!
Ich bin Hartwig Mau, Tel. 015561 360658, hartwig.-
mau@online.de.
(Die Mail-Adresse der MLPD in Essen habt ihr ja schon.)
1 „NRW-Check 2025: Bürger unzufrieden mit Straßen, Schulen und Flüchtlingsversorgung“, Rheinische Post,
09.07.2025
2 St. Engel / M. Gärtner-Engel, Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau, Verlag Neuer Weg, Essen 2000, S.197
3 Das kannst du hier beim Bundesinstitut für Berufsbildung nachlesen: https://www.bibb.de/de/9673.php. Das Parkhaus
von IKEA war bis vor wenigen Jahrzehnten noch die Lehrwerkstatt von Krupp. Das gesamte Gebäude!"
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